Sehen

Realisierung
Privatbiografie
Auftrag / Thematik
Biografie mit Themenschwerpunkt Sehbehinderung
Herausgabe
2022
Verlag
Eigenverlag
ISBN
9783033090835
Taschenbuch
112 Seiten
Luana Maione wird mit einer Augenkrankheit geboren. Sie leidet unter dem Grünen Star, auch Glaukom genannt. Der zu hohe Augeninnendruck droht ihren Sehnerv zu zerstören. Als 4-monatiges Baby wird sie zum ersten Mal operiert, im Laufe der Jahre folgen weitere 250 Eingriffe. So verbringt Luana die meiste Zeit in Spitälern sowie in einem Internat für Sehbehinderte. Freundschaften aufzubauen ist unter diesen Umständen fast unmöglich. Früh erfährt Luana, wie es ist, anders, allein, ausgeschlossen zu sein. Als Luana ins Jugendalter kommt, verschlechtern sich ihre Augen weiter. Doch sie kämpft wie eine Löwin um ihr Augenlicht. Der noch verbleibende Sehrest bedeutet ihr so viel, dass sie all die Medikamente und Operationen dafür in Kauf nimmt. Ihre Familie versteht das nicht und wendet sich immer mehr von ihr ab, so wird Luana zur Einzelgängerin.

«Aber ich hatte Power. Ich war ein Rebell, und ich befand mich ständig im Überlebensmodus.»
Ich will eine Geschichte erzählen, die uns alle etwas angeht. Die zum Denken anregt. Eine Geschichte über die Sinnhaftigkeit menschlichen Lebens. In meiner zweiten Berufstätigkeit als Therapeutin und heute als Gerontologin waren und stehen existenzielle Themen prominent im Blickfeld: Es sind in früheren Jahren des Lebens einerseits die Fragen nach der Herkunft, Selbstvergewisserung und Selbstverwirklichung. Anderseits nimmt Lebenszufriedenheit mit zunehmendem Alter zu und die Frage nach individuellem Lebenssinn wird im Alter dringlicher. Auch die eigene Sterblichkeit rückt nun näher und wird zur unleugbaren Tatsache. So tritt die Beschäftigung mit dem eigenen Leben in der Rückschau mit Kraft in den Vordergrund. Das Bedürfnis nach Wissensweitergabe nimmt zu. Die gesellschaftliche Teilhabe entspricht weiterhin dem menschlichen Bedürfnis, auch im Alter. Die Figuren der Ina Reich und ihrer Tante Marilène Kazarowa ermöglichen es mir, das Wertvolle eines generationenübergreifenden Dialogs und Miteinanders literarisch aufzugreifen und zu verdeutlichen. Dabei erhält das Alter und das Ende des Lebens – gerade wegen der gesellschaftlichen Tabus – in dieser Geschichte exemplarisch eine andere Rolle zugedacht, als es die Gesellschaft bisher (aner)kennt. Die Erzählung verschliesst sich dem Leben nicht, sie wendet sich ihm zu.